Eine Reise in königliche Vergangenheit

Wandeln Sie einmal auf den Spuren der Oranier. Reisen Sie durch die Städte und Regionen in Deutschland und den Niederlanden, die dem Haus Oranien-Nassau, einem der ältesten und bekanntesten Fürstenhäuser Europas, seit Jahrhunderten verbunden sind. Zahllose Orte erinnern uns an den Einfluss, den die Oranier in den vergangenen Jahrhunderten auf Politik, Kultur und Gesellschaft ausübten. Das niederländische Königshaus stammt ursprünglich aus Deutschland. Dort hat es nicht nur seine Wurzeln, sondern auch weit verzweigte Familienbande. Nirgendwo kommt die komplexe deutsch-niederländische Beziehung deutlicher zum Ausdruck als in der Familiengeschichte derer von Oranien-Nassau.

Die Wiege der Oranierdynastie
Auf der Dillenburg erblickte Wilhelm von Oranien 1533 das Licht der Welt. Von 1567 bis 1572 lebte er in Dillenburg im Exil und organisierte von dort aus den niederländischen Freiheitskampf gegen die spanischen Machthaber. Legendär ist der Empfang niederländischer Flüchtlinge unter der Wilhelmslinde am 14. April 1568. Diese Linde musste im Laufe der Zeit viermal gegen ein jüngeres Exemplar ausgetauscht werden, aber der Stammbaum der Dynastie blieb ununterbrochen, auch wenn das Fortbestehen der Oranier zeitweise an einem seidenen Faden hing. Mit dem Tod des kinderlosen Königs und Statthalters Wilhelm III. starb 1702 die männliche Linie der Dillenburger aus. Glücklicherweise gab es noch die friesische Linie, in der die Frauen genügend Söhne zur Welt brachten. Und so kam mit Leeuwarden Johan Willem Friso ins Blickfeld, und damit eigentlich die Nassauer von Diez. Und wie der Zufall es will, liegt Diez nur einen Katzensprung von Dillenburg entfernt. Das war quasi die erneute Bestätigung des Gebiets zwischen Dill und Lahn als Wiege des niederländischen Königshauses.

Das Goldene Zeitalter der Oranier
Oranienstein, so heißt das Schloss bei Diez, bei Dessau ist es Oranienbaum und Oranienburg bei Potsdam. Die Töchter von Statthalter Frederik-Hendrik und Amalia von Solms haben je ein Schloss geschenkt bekommen, als sie in den Adel vor Ort einheirateten. Auch die vierte Tochter bezog nach ihrer Hochzeit bei Bad Kreuznach den Oranienhof. Davon ist leider nur noch der Park erhalten geblieben, der Rest wurde vor gar nicht allzu langer Zeit abgerissen. Mutter Amalia, Frederik-Hendriks gescheite Ehefrau, die ihren Städtebezwinger um fast dreißig Jahre überlebte, arbeitete nach Plan. Über ein ausgeklügeltes System gelang es ihr, die neue Machtposition der Niederlande in bare Münze zu verwandeln. Ihre vier heiratsfähigen Töchter wurden deutschen Fürsten zurückgegeben. So wurde das 17. Jahrhundert nicht nur für die niederländische Geschichte, sondern auch für das Haus Oranien-Nassau ein goldenes Zeitalter. Und das Herz aller Reisenden schlägt höher, wenn sie schon in den Ortsnamen die Spuren der Oranier entdecken.

Niederländisch-deutsche Ehebande
Die fruchtbare Verbindung zwischen dem niederländischen Königshaus und deutschen Fürstenhäusern setzte sich auch nach dem 17. Jahrhundert fort. Vier Generationen in Folge suchten ihre Ehepartner im Nachbarland. Willem III. sorgte für eine weitere deutsch-niederländische Verbindung, als er 1879 auf Schloss Arolsen Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont ehelichte. Noch heute wohnen die Nachfahren der Fürstenfamilie im Residenzschloss und verwalten – nun ohne Adelsprivilegien – den Großgrundbesitz.

Emma schenkte einer Tochter, Wilhelmina, das Leben. Diese suchte ihr Glück in Norddeutschland. Bei ihrer Ehe mit Heinrich von Mecklenburg 1901 in Den Haag kam erstmals die seit Jahren bereitstehende Goldenen Kutsche zum Einsatz. Heinrichs Elternhaus, das 400 Zimmer zählende Schweriner Schloss, fungiert heute als Parlamentsgebäude und Museum. Wilhelmina gebar ebenfalls eine Tochter, Juliana. Und wie Wilhelmina vor ihr heiratete Juliana 1937 einen deutschen Prinzen, Bernhard zu Lippe-Biesterfeld. Sein Elternhaus liegt in Schlesien hinter Oder und Neiße und ist heute eine polnische Kinderkolonie.

Trotzdem wohnt Prinz Bernhards Familie in erreichbarer Nähe. In Detmold residiert sie noch immer im Familienschloss.

Von Julianas vier Töchtern ist die älteste, Beatrix, die heutige Königin der Niederlande. Als Kronprinzessin Beatrix 1966 Claus von Amsberg ehelichte, hatten die Niederländer zunächst durchaus Schwierigkeiten, seinen Heimatort Hitzacker (Elbe) ausfindig zu machen. Kein Schloss gab es dort, sondern eine großzügige Villa mit noch großzügigeren Gartenanlagen. Mit Claus schloss sich der Kreis wieder: Sein Großonkel war in Mecklenburg Oberforstmeister seines angeheirateten Großvaters. Das heißt, jener von Amsberg begleitete den jungen Heinrich oft auf der Jagd.
 
 
 
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